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Eine orientalische Geschichte ...

Es fällt kein Meister vom Himmel

Ein Zauberkünstler führte am Hof des Sultans seine Kunst vor und begeisterte seine Zuschauer.
Der Sultan selbst war außer sich vor Bewunderung: "Gott stehe mir bei, welch ein Wunder, welch ein Genie!"
Sein Wesir gab zu bedenken: "Hoheit, kein Meister fällt vom Himmel. Die Kunst des Zauberns ist die Folge seines Fleißes und seiner Übungen."
Der Sultan runzelte die Stirn. Der Widerspruch seines Wesirs hatte ihm die Freude an den Zauberkunsstücken verdorben. "Du undankbarer Mensch! Wie kannst du behaupten, daß solche Fertigkeiten durch Übung kommen? Es ist wie ich sage: Entweder hat man das Talent oder man hat es nicht." Abschätzend blickte er seinen Wesir an und rief: "Du hast es jedenfalls nicht, ab mit dir in den Kerker. Dort kannst du über meine Worte nachdenken. Damit du nicht so einsam bist und du deinesgleichen um dich hast, bekommst du ein Kalb als Kerkergenossen."

Vom ersten Tag seiner Kerkerzeit an übte der Wesir, das Kalb hochzuheben,und trug es jeden Tag über die Treppen seines Kerkerturmes.
Die Monate vergingen. Aus dem Kalb wurde ein mächtiger Stier und mit jedem Tag der Übung wuchsen die Kräfte des Wesirs.

Eines Tages erinnerte sich der Sultan an seinen Gefangenen. Er ließ ihn zu sich holen. Bei seinem Anblick aber überwältigte ihn das Staunen: "Gott steh mir bei, welch ein Wunder, welch ein Genie!"
Der Wesir, der mit ausgestreckten Armen den Stier trug, antwortete mit den gleichen Worten wie damals: "Hoheit, kein Meister fällt vom Himmel. Dieses Tier hattest du mir in deiner Gnade mitgegeben. Meine Kraft ist die Folge meines Fleißes und meiner Übung."

Quelle: Nossrat Peseschkian, Der Kaufmann und der Papagei, Fischer Taschenbuchverlag

 

Der König möchte in dem Zauberer jemanden sehen, der eine besondere, ausgezeichnete und sonst von niemandem erreichbare Fähigkeit besitzt. Er löst die Leistungen des Zauberers aus ihrem Zusammenhang und idealisiert ihn.

Es heißt: Entweder man kann mit den Menschen Kontakt aufnehmen oder man kann es nicht. Entweder haben wir die Fähigkeit, mit unseren Problemen umzugehen, oder nicht. Dieses klare >Entweder-Oder< steht hinter der Vorstellung, dass man von Geburt an gewisse Fähigkeiten besitzt oder nicht.

Der Wesir unserer Geschichte setzt diesem >Entweder-Oder< eine dritte Mögichkeit entgegen. Die Kunst des Zauberers ist für ihn die Folge seines Fleißes und seiner Übungen. Damit wird das >Entweder-Oder< aufgehoben in der Vorstellung, daß man im Prinzip nahezu alles erreichen kann, wenn man genügend Zeit zur Verfügung hat und bereit ist, diese Zeit für seine Ziele zu nützen. Diese Annahme beweist der Wesir durch sein eigenes Beispiel.

Das jeder alles kann, erscheint uns unmöglich. Darauf kommt es aber gar nicht an. Wichtig ist vielmehr, dass wir eine Vielzahl von Fähigkeiten entfalten können, wenn wir ihnen nur Raum und Zeit zu ihrer Verwirklichung geben.

Ich biete Ihnen an, Sie bei der Entfaltung der Fähigkeiten Ihrer MitarbeiterInnen tatkräftig zu unterstützen und freue mich auf Ihre herausfordernde Aufgabenstellung.

An der Spitze ist immer noch Platz!
Gehen wir gemeinsam dorthin!?